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„Gemeinsam die Herausforderungen unserer Zeit angehen“ – Sommersynode des Evangelischen Kirchenkreises Münster rüstet sich für den Umbruch

Vertreter des Jugendreferates präsentierten prägnant das neue Branding „juenger“, das zu einer Kampagne des Amtes für Jugendarbeit der EKvW gehört, mit der die Evangelische Jugend in der Öffentlichkeit deutlicher als Einheit erkennbar sein soll. Foto: Nicole Schulte

Münster. Rund 90 Stimmberechtigte des Kirchenparlamentes des Evangelischen Kirchenkreises Münster tagten am Mittwoch (14. Juni) im Andreas-Gemeindezentrum in Coerde. Superintendent Holger Erdmann leitete die Synode, in der wichtige Beschlüsse unter anderem zu den Themen Klimaschutz, Finanzen, Gebäude und der Prävention sexualisierter Gewalt gefasst wurden.

„Tun wir die richtigen Dinge?“, fragte Superintendent Holger Erdmann zu Beginn der Synode in seinem Jahresbericht. Die Kirche stehe vor komplexen gegenwärtigen und kommenden Herausforderungen. Faktoren wie die immens sinkenden Mitgliederzahlen im Kirchenkreis seien nur teilweise planbar, umso wichtiger sei es, flexibel zu bleiben: „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir die Herausforderungen nur im Miteinander bewältigen können und stets darauf angewiesen sind, zu evaluieren und zu korrigieren“, hielt der Superintendent fest. Auch in Zukunft sollen Menschen in Münster und im Münsterland „eine evangelische Kirche erleben, die Impulse setzt, die von Hoffnung und Trost redet, Menschen auf den Wegen ihres Lebens nicht allein lässt und die ‚sinn-voll‘ ist“. Gleichzeitig werde man sich von Gewohntem verabschieden müssen: „Mag am Ende auch ein anderer und vor allem auch ein in vieler Hinsicht kleinerer Kirchenkreis stehen als der, der uns lange vertraut war, er muss deshalb nicht unattraktiver sein, wenn es uns gelingt, von ‚der Hoffnung zu reden, die in uns ist‘ (1. Petr 3,15)“, ermutigte Erdmann die anwesenden Synodalen, ihre Gaben kreativ einzusetzen, um ansprechende Formate und neue Perspektiven zu entwickeln.

„Die Formen tragen den Auftrag nicht mehr“, beschrieb Oberkirchenrätin Katrin Göckenjan-Wessel, die Grüße aus dem Landeskirchenamt in Bielefeld übermittelte, die aktuelle Lage. Sie warb dafür, gemeinsam Kirche aufzubrechen. André Ost, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Tecklenburg, stimmte in seinem Grußwort ihrer Einschätzung zu. War die Zukunft einst ein Versprechen, sei sie nun vor allem eines: „unordentlich. Wir sind am Beginn eines tiefgreifenden Transformationsprozesses, das spüren wir“, zitierte er die Autorin Marlene Knobloch. In ihrem Buch „Serious Shit“ dreht sich alles um die Frage: „Was müssen wir lernen, um bestehen zu können?“ Für uns alle gehe es um die Suche nach Orientierung, nach Werten, um falsche Freunde, unwichtige Diskussionen und worauf es genau jetzt „seriously“ ankomme.

Die Synodalen beschlossen in diesem Sinne wichtige, richtungsweisende Veränderungen im Umgang mit Ressourcen und stellten die Weichen für Strukturveränderungen.

Neue Finanzsystematik

Auf der Sommersynode 2022 war der Beschluss gefasst worden, die Pfarrstellenpauschale wieder auf der kreiskirchlichen Ebene anzusiedeln. Dies ermögliche der Verwaltung eine unkomplizierte finanzielle Abbildung, erklärte Pfarrer Thorsten Melchert vom Finanzausschuss, „Kirche ist mehr als nur Kirchengemeinde. Es gibt die Notfallseelsorge, wir sind an den Schulen aktiv, wo wesentliche Prägungen erfolgen, im Krankenhaus, den Kitas usw.“. In anderen Kirchenkreisen sei dies schon länger üblich. „Was im Sommer 2022 beschlossen wurde, ist eine solidarische Lösung, die zeigt, dass wir uns nicht nur „Synode“ nennen, sondern auch ‚zusammen auf dem Weg‘ sind“, schloss sich Superintendent Erdmann an. Durch diese Lösung werde ein Ausgleich unter den Gemeinden erreicht, der gerade für die kleineren Gemeinden wichtig sei, ohne andere Gemeinden zu überfordern. Mehrheitlich wurde beschlossen, die Bereiche Fundraising, Verwaltung, Klimapauschale, Prävention sexualisierte Gewalt und die Pfarrstellen im Vorwegabzug zu finanzieren.

Klimaschutz

In den Bereichen Mobilität, Beschaffungen und Gebäude wird der Klimaschutz massiv intensiviert. Auf einer der letzten Synoden war bereits beschlossen worden, zwei Klimamanager:innen einzustellen, die ein Konzept erarbeiten, das die Gemeinden der Kirchenkreise Münster, Steinfurt-Coesfeld-Borken und Tecklenburg dabei unterstützt, ihre Gebäude bis 2035 klimaneutral zu unterhalten. Die anfallenden Personal- und Sachkosten werden aus der 4%-Klimaschutzpauschale des kreiskirchlichen Haushaltes finanziert. Die Mittel ermöglichen zudem für die Dauer eines Jahres einen Arbeitgeberzuschuss für das Jobticket in Höhe von 25% pro Ticket und Monat für alle interessierten privatrechtlichen Mitarbeiter:innen. Mit großer Zustimmung wurde der Vorschlag aufgenommen, bis zur Herbstsynode zu prüfen, ob die Bezuschussung des Deutschlandtickets für Ehrenamtliche ermöglicht werden kann. Ebenfalls wird bis dahin geprüft, inwieweit die Anschaffung von Diensträdern für privatrechtlich angestellte Mitarbeiter:innen bezuschusst werden kann.

Zu den schmerzhaften Veränderungen gehört sicher die Verringerung des Gebäudebestandes aus strukturellen bzw. Klimaschutz-Gründen. Pfarrer Dr. Christoph T. Nooke, Mitglied der AG Gebäude, würdigte, dass die Gebäude ihre Zeit hatten, Heimat zu bieten, erkennbar zu sein und Raum zu geben. Die Synodalen beschlossen mehrheitlich, mit der professionellen Begleitung durch die Agentur „D:4. Büro für Kirche und Kultur“ zu arbeiten. Die Finanzierung erfolgt ebenfalls aus der Klimaschutzpauschale. Die Agentur wird eine strukturierte Erfassung des Gebäudebestandes unter Berücksichtigung nachhaltiger, ökumenischer, sozialräumlicher und kommunaler Gesichtspunkte vornehmen. Mit Hilfe dieser Informationen können die Gemeinden Konzepte entwickeln, wie sie sich künftig aufstellen wollen. Dahinter steht der Wunsch, „strategisch, strukturiert, transparent den Gebäudebestand zukunftssicher zu entwickeln – mit Blick über die Gemeinden hinaus“.

Ehrenamt/Stiftung

Nicht nur in den Gemeinden, sondern auch in den Einrichtungen des Kirchenkreises engagieren sich viele Ehrenamtliche. Wichtig ist, auch im Rahmen eines Salutogenese-Konzeptes, dass sie eine verlässliche, langfristige und qualifizierte Begleitung und Förderung durch hauptamtliches Personal erhalten. Pro Raum, so der Synodenbeschluss, wird eine Ansprechperson für Ehrenamtlichenarbeit bestimmt. Zusätzlich wird darauf hingewirkt, die Koordinationen der Ehrenamtlichenarbeit in die Dienstanweisungen der im Kirchenkreis tätigen Pfarrpersonen und dementsprechend auch für andere Berufsgruppen innerhalb der Interprofessionellen Pastoralteams aufzunehmen.

Die Stiftung des Kirchenkreises beschäftigte sich schwerpunktmäßig in den beiden vergangenen Jahren mit der Stärkung der ehrenamtlichen Arbeit und förderte viele gute Projekte und damit das kirchliche Leben, so berichtete es Dr. Heike Plaß. Der aktuelle Schwerpunkt lautet „Kirche mit Kindern und Jugendlichen“.

„juenger“

Aus dem Jugendreferat präsentierten Alicia Anger, Andreas Czarske und Ansgar Wittkämper schnell und prägnant das neue Branding „juenger“. Im Zuge eines gut überlegten Prozesses entschloss sich das Jugendreferat dazu, die Kampagne des Amtes für Jugendarbeit der EKvW zu unterstützen. Mit dem Branding soll die Evangelische Jugend in der Öffentlichkeit deutlicher als Einheit erkennbar sein. Die Farben für das neue Logo sind lila und grün. „Lila“, so erklärt es Anger, „ist die Farbe des Kirchenkreises und drückt unsere Verbundenheit aus. Grün steht für die Hoffnung, Wachstum und erinnert uns an den Auftrag, Gottes Schöpfung zu bewahren.“

Notfallplan sexualisierte Gewalt

Wichtiges Thema auf der Synode war die Vorstellung eines gestuften Notfallplanes im Bereich der Prävention sexualisierter Gewalt. Der Notfallplan, der vom Beirat sexualisierte Gewalt entwickelt wurde, ist laut Viola Langenberger, Präventionsfachkraft, und Kathi Franko, neue Multiplikatorin, zentraler Bestandteil des synodalen Schutzkonzeptes, mit dem das Kirchengesetz zum Schutz vor sexualisierter Gewalt (KGSsG) umgesetzt wird. Kinder- und Jugendliche werden deutlich wirksamer geschützt als bisher, weil weniger von Zufällen abhängt. Gleichzeitig erlangen Mitarbeiter:innen größere Handlungsfähigkeit, weil sie mit diesem Leitfaden ein wirksames Instrument erhalten, an dem sie sich in Krisensituationen orientieren können. „Schulungen und Schutzkonzepte sind Bestandteil wirksamer Prävention“, erklärt Langenberger, „Wir brauchen Menschen die Haltung zeigen und es potenziellen Täter:innen so schwer wie möglich machen. Dafür braucht es Mut. Es geht nicht nur um Kinder und Jugendliche, sondern um alle Menschen, die mit sexualisierter Gewalt Erfahrungen gemacht haben oder machen werden“. Einstimmig beschlossen die Synodalen die Verwendung des Notfallplanes für den Kirchenkreis. Den Gemeinden wird empfohlen, diese Vorlage bei der Entwicklung der Schutzkonzepte zu verwenden.

Superintendent Erdmann bedankte sich für die gute Synode: „Wir sind gut gemeinsam unterwegs und haben viel geschafft und auf den Weg gebracht.“ Er freute sich, dass die Beschlüsse in sehr großer Einmütigkeit gefasst wurden. Im Vorfeld sei gut gearbeitet worden und es zeige sich hierdurch, „dass es ein Vertrauen in die Prozesse des Kirchenkreises gebe“.

 

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