« Zurück zur Übersicht

Offen sein für Menschen – Masterstudierende „Spiritual Care“ zu Gast bei der evangelischen Klinikseelsorge

Drei Studierende des Masterstudienganges „Spiritual Care“ besuchten Klinikseelsorger Pfarrer Karl H. Köster im UKM: (v.l.n.r) Katharina Siedler, Professorin Dorothee Wiewrodt, Karl H. Köster und Anna-Lena Strassburg. Foto: privat

Münster. Drei Studierende des Masterstudiengangs „Spiritual Care“ besuchten Klinikpfarrer Karl H. Köster in der Uniklinik Münster, um ihn zu seinen Erfahrungen in der Seelsorge zu befragen. „Spiritual Care“ ist ein interdisziplinärer Studiengang, der Elemente aus Medizin, Pflegewissenschaften und Theologie vereint. Er richtet sich an Fachkräfte mit gesundheitsbezogenem oder theologischem Hintergrund und fokussiert sich auf spirituelle Begleitung von Menschen in Krankheit, Krisen und am Lebensende.

Bei ihrem Besuch erfuhren die Studierenden von Klinikpfarrer Karl H. Köster etwas über große Freiheit, nicht planbare Arbeitstage und Kirche im Krankenhaus, über die Bereitschaft zu beten, und warum Taxifahren eine gute Vorbereitung sein kann, wenn man beruflich „was mit Menschen“ machen möchte.

Klinikseelsorge befindet sich im Wandel, so Pfarrer Köster, und sie unterliegt den gleichen Einflüssen wie Kirche und Gesellschaft insgesamt. Menschen sind nach wie vor religiös, suchen nach Sinn, Lebensdeutung und Antworten auf erste und letzte Fragen. Sie fragen nach Gott, aber sie tun es weniger an etablierten Orten und in traditionellen Formaten.

Die Zeiten, als Klinikpfarrer von Bett zu Bett gingen und fragten, wer am Sonntag zum Gottesdienst abgeholt werden möchte, sind längst vorbei. Kürzere Verweildauer, ansprechende Fernsehgottesdienste – und deutlich weniger seelsorgliches Personal.

„Die Umstände haben sich massiv verändert, der Kern der Arbeit eines Seelsorgers aber bleibt – offen sein für Menschen, flexibel auf sie eingehen, mit Neugier und Geduld die Lebensgeschichten hören, und dabei aufmerksam sein für den Moment, an dem sich Tieferes, Geistliches, Spirituelles zeigt“, so der Klinikseelsorger, der betont, dass es für diese Arbeit viel Flexibilität braucht. „Oft weiß ich morgens nicht, wie mein Tag wird – ob kurze Kontakte zwischen Tür und Angel oder der Beginn einer Langzeitbegleitung – es entscheidet sich oft im konkreten Augenblick.“

„Seelsorge ist schön, macht aber auch viel Arbeit“, so hat Pfarrer Köster seine Erfahrungsberichte überschrieben, die er den Studierenden mit auf den Weg gab. Er geht darin auch der Frage nach, was es braucht, um als Seelsorger gut arbeiten zu können.

Die Entwicklung einer eigenständigen, reflektierten seelsorglichen Persönlichkeit sei ein lebenslanger Prozess, so der Klinikpfarrer. Menschen beobachten, sie lesen und verstehen lernen, sei nicht Teil seines Studiums gewesen. Zivildienst, Jobs in der Industrie und die Jahre als Taxifahrer haben ihm viel vom Leben gezeigt, von der Arbeitswelt, den Freuden und Abgründen der Menschen. Zur Entwicklung gehört auch, die eigenen Unzulänglichkeiten und Grenzen zu kennen.

Köster brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass junge Menschen, wie auch solche, die bereits erhebliche Lebens- und Berufserfahrung mitbringen, nun im Masterstudiengang lernen wollen, wie den spirituellen Fragen und Bedürfnissen der Menschen im Krankenhaus Raum gegeben werden kann. Und dies – das sei das Neue daran – im Zusammenwirken aller Professionen in der Klinik. Dazu zählt Karl H. Köster ganz deutlich auch die Ehrenamtlichen, wie etwa den Besuchsdienst am UKM. Ihre Zeit, ihre Einfühlsamkeit und bunten Lebenserfahrungen seien von unschätzbarem Wert für die Patientinnen und Patienten.

Spiritual Care-Absolventen und Ehrenamtliche werden zukünftig die sein, die „quality time“ zu den Menschen bringen. Die Frage nach Gott im Leben und Sterben wachzuhalten, ihr Raum und Gestalt zu geben im Gespräch, mit Gebet und Segen – das wird auch in Zukunft Aufgabe der Seelsorge sein. Die Wege dahin werden vielfältiger, und er hoffe, so Karl H. Köster abschließend, dass sich ganz viele aufmachen in dieses wunderbare Arbeitsfeld.