Münster. Mit einer Andacht hat der Evangelische Kirchenkreis Münster am 3. Dezember seine Herbsttagung in der Mensa am Coesfelder Kreuz eröffnet. Die Versammlung steht im Zeichen großer Weichenstellungen: Finanzentwicklungen, strukturelle Zusammenarbeit und die Frage, wie Glaube für junge Menschen im Münsterland lebensnah erlebt werden kann.
Finanzlage: Höhere Zuweisung, aber weiterhin Druck auf Ressourcen
Der Kirchenkreis rechnet im kommenden Jahr mit einer stabilen Kirchensteuerzuweisung, die wie gewohnt nach der Zahl der Gemeindeglieder verteilt wird.
Durch die eingetretenen Kostensteigerungen bleibt die Haushaltsplanung von der Herausforderung geprägt, Bewährtes zu sichern und gleichzeitig Raum für Entwicklung zu schaffen. Im Fokus stehen Prioritäten, Profilbildung und innovative Ansätze, die den Kirchenkreis handlungsfähig halten.
„Gemeinsame Zukunft“: Münster und Steinfurt-Coesfeld-Borken prüfen engere Zusammenarbeit
Einen Schwerpunkt bildet der Tagesordnungspunkt „Gemeinsame Zukunft“. Der Evangelische Kirchenkreis Münster berät darüber, die Vernetzung mit dem Nachbarkirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken deutlich zu intensivieren und langfristig auch strukturelle Zusammenschlüsse vorzubereiten.
Dabei steht die Frage im Raum, welche Organisationsform für die evangelische Kirche im Münsterland in den kommenden Jahren funktional, tragfähig und zukunftssicher ist.
Ein konkreter Arbeitsbereich dieses Prozesses betrifft die synodale Jugendarbeit: Die Jugendstrukturen beider Kirchenkreise sollen zusammengeführt werden. Ziel ist eine stärkere, stabilere und übergemeindlich tragfähige Jugendarbeit, dauerhaft und in hoher Qualität. Die finale Beschlussfassung wird auf einer späteren Synode erwartet.
Kirche für junge Erwachsene: digitale Räume und neue Formen kirchlicher Gemeinschaft
Mit Spannung wurde die Vorstellung des Projekts „Fuge – digitale regionale Kirche Münsterland“ durch Pfarrerin Christine Jürgens verfolgt. Sie entwickelt im Auftrag der Kirchenkreise Steinfurt-Coesfeld-Borken, Münster und Tecklenburg Angebote für Menschen zwischen 18 und 35 Jahren.
Jüngere Generationen seien laut Jürgens weiterhin interessiert an spirituellen Fragen, fühlten sich jedoch nicht in klassischen kirchlichen Strukturen wieder. Das Projekt setzt deshalb auf neue Formen von Glauben, Austausch und Beteiligung, digital und analog.
Jürgens’ Stelle ist zunächst bis Ende 2026 angelegt, mit dem Ziel, das Konzept dauerhaft im Münsterland zu verankern.
Superintendent Holger Erdmann hierzu: „Ich freue mich, dass bei unseren Entscheidungen besonders junge Menschen im Blick sind.“
Zwischenbericht Klimakonzept
Auch an dem Ziel einer weitgehenden Klimaneutralität wurde weiter gearbeitet und der Synode ein Zwischenbericht für ein Klimaschutzkonzept vorgelegt. Klimamanager Martin Bußkamp stellte der Versammlung die geplanten Maßnahmen vor Augen.
Unter dem Punkt „Verschiedenes“ berichten zudem Popkantor Philipp Holmer und Jugendreferentin Alicia Anger über die Planungen für eine Medienkirche. Diskutiert werden digitale Formate, Räume zur kreativen Gestaltung und spirituelle Zugänge, die junge Menschen ernst nehmen und in ihren Lebenswelten erreichen.
Impulse für ein verändertes Münsterland
Die Herbstsynode 2025 macht deutlich, dass die evangelische Kirche im Münsterland auf Veränderung setzt – strukturell und inhaltlich. Vernetzung, Zukunftsorientierung, Klimagerechtigkeit, digitale Präsenz und das Ernstnehmen einer jüngeren Generation sollen künftig leitende Schwerpunkte bilden.