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Gehört werden – Jubiläumsgottesdienst zum 50-jährigen Bestehen der TelefonSeelsorge Münster

Teilte sich die Predigt zum 50-jährigen Bestehen der Telefonseelsorge Münster mit Stadtdechant Jörg Hagemann: Superintendent Holger Erdmann. Foto: Eva-Maria Landmesser

Münster. Besinnlich begann der ökumenische Jubiläumsgottesdienst anlässlich des 50-jährigen Bestehens der TelefonSeelsorge Münster. Seit 1972 engagieren sich Menschen ehrenamtlich in der Einrichtung des Katholischen Stadtdekanats e.V. und des Evangelischen Kirchenkreises Münster. In diesem Zeitraum wurden mehr als 500.000 Gespräche geführt und mehr als 10.000 E-Mails beantwortet.

Über diese reinen Zahlen hinaus sollte ein wenig dessen, was die TelefonSeelsorge außerdem ausmacht, in einem Gottesdienst spürbar werden, der von der TelefonSeelsorge gestaltet und von Superintendent Holger Erdmann und Stadtdechant Jörg Hagemann geleitet wurde. Diesem Anspruch, den die Verantwortlichen in der Ankündigung des Geburtstagsgottesdienstes formuliert hatten, kam die Gestaltung des Gottesdienstes am vergangenen Samstag in der Münsteraner Apostelkirche in vollem Umfang nach.

Hiltrud Erning, Josef Gebker und Stefan Herkenrath stimmten die Anwesenden ein mit dem Lied „Flow my tears“ von John Dowland und vermöge der musikalischen Vereinigung von Gesang, Cembalo und Kontrabass.

Holger Erdmann griff Zeilen des Liedtextes bei seiner Eröffnung der Messe auf. „Flow my tears, fall from your spring. Fließt meine Tränen, stürzt aus euren Quellen. Wie viele Tränen werden in 50 Jahren geflossen sein, weil Worte nicht durch die Kehle kamen? Wie oft wird die Person am anderen Ende der Leitung selbst mit den Tränen gekämpft haben? Nach 50 Jahren ist Zeit für Dank und der Adressat ist Gott“, folgerte der Superintendent.

Zur Beantwortung der Frage, was die TelefonSeelsorge für die Teilnehmenden des Gottesdienstes bedeutet, hatten sich die Veranstalterinnen und Veranstalter ein besonderes Mittel überlegt. Auf der Rückseite des Programmheftes war ein QR-Code abgedruckt, den die Anwesenden mit ihrem Smartphone einscannen konnten. Dieser Code leitete sodann zu einer digitalen Mentimeter-Umfrage weiter. Die Antworten wurden mithilfe eines Beamers unmittelbar auf eine Leinwand in der Apostelkirche projiziert. Schnell bildete sich ein buntes Bild aus Schlagwörtern wie „zuhören, Trost, Hilfe, Dankbarkeit“ – um nur eine Auswahl zu nennen. Ebenfalls zierten Assoziationen wie die Zahl 24 und die passende Erläuterung „immer da“ bald die Leinwand. Aber auch Begriffe, welche das Wirken hinter den Kulissen der TelefonSeelsorge beschreiben, kamen zum Vorschein., beispielsweise „Gemeinschaft“ und „wachsen“. „Wenn es gut läuft, wachsen beide“, erklärte der Leiter des Evangelischen Kirchenkreises abschließend.

Die Predigt, die auf dem Bibeltext um den blinden Bettler Bartimäus aufbaute, teilten sich Holger Erdmann und Jörg Hagemann.

„Der blinde Bartimäus schreit, damit er gehört wird. Auch die Anrufer wollen ausbrechen. Geteiltes Leid ist halbes Leid“, zog der Stadtdechant eine Parallele zur TelefonSeelsorge. Superintendent Holger Erdmann knüpfte daran an: „Das erste Wunder dieser Geschichte ist, dass Jesus auf Bartimäus aufmerksam wird. Menschen werden gehört von Menschen, von Gott.“ Die Theologen endeten sodann mit dem Verweis auf den Umstand, dass die biblischen Wundergeschichten schwierig zu verstehen sind. Dennoch seien sie der Überzeugung, dass sich am Telefon wunderbares ergeben kann.

Im Anschluss an die Messe kamen die Verantwortlichen, Ehrenamtlichen und Gottesdienstteilnehmer zu einem Empfang in der Evangelischen Studierendengemeinde Münster zusammen, um auch dem Gemeinschaftsgedanken, der zuvor noch in großen bunten Buchstaben auf der Leinwand zu lesen war, Rechnung zu tragen. eml

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