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Abschied von Pfarrer Jürgen Hülsmann

Pfarrer Jürgen Hülsmann. Foto: Dr. Erhard Holze

Tief bewegt nehmen der Evangelische Kirchenkreis Münster und die Evangelische Andreas-Kirchengemeinde Abschied von

Pfarrer Jürgen Hülsmann,

der am 23. November 2021 im Alter von 81 Jahren verstarb.

 

Mehr als 45 Jahre hat Pfarrer Jürgen Hülsmann das Leben der Ev. Andreas-Kirchengemeinde geprägt und die Geschicke des Ev. Kirchenkreises Münster mitbestimmt. Die befreiende Botschaft des Evangeliums und die christliche Verantwortung für die Versöhnung unter den Menschen gehörten zu den Kernsätzen seines unerschütterlichen Glaubens.

Nach seinem Studium in Wuppertal, Tübingen, Wien und Münster trat Jürgen Hülsmann ein Auslandsvikariat in der Londoner Gemeinde in Syndenham an. 1967 wurde er, nach seinem Zweiten Theologischen Examen, in den Coerder Bezirk der Ev. Markus-Kirchengemeinde Kinderhaus-Coerde entsandt. 1969 erfolgte die Ordination in dem von ihm liebevoll „Baracken-Kirche“ genannten hölzernen Vorgängerbau der heutigen Andreas-Kirche. Mit der Teilung der Markus-Kirchengemeinde in zwei eigenständige Kirchengemeinden 1972 wurde Jürgen Hülsmann zum ersten Pfarrstelleninhaber der neu geschaffenen Ev. Andreas-Kirchengemeinde ernannt.

In dem jungen Stadtteil Coerde lag ihm der Aufbau einer evangelischen Gemeinde am Herzen. Dabei zeigte er Mut und Entschlossenheit, auch unkonventionelle Wege zu gehen. Bereits in den ersten Amtsjahren entwickelte Jürgen Hülsmann das Modell der „Praxiszelle“, bei der Theologiestudenten – gemeinschaftlich wohnend – in der Gemeinde mitarbeiten; auf seine Initiative wurde mit dem HOT-Coerde die erste Offene Jugendeinrichtung in kirchlicher Trägerschaft in Münster geschaffen und mit der Errichtung des Andreas-Kirchenzentrums wurden von ihm neue Wege des Kirchenbaus beschritten, bei denen die Grenzen zwischen Sakralem und Säkularem eine bewusst fließende Gestaltung fanden. Dabei stellte sich Jürgen Hülsmann stets der öffentlichen Diskussion – etwa bei der künstlerischen Ausgestaltung der Kirchenfenster oder beim Erwerb einer digitalen Orgel.

Bei aller Offenheit für das Neue blieb Jürgen Hülsmann tief in der christlichen Tradition verwurzelt.

Weit über die Gemeinde hinaus sprach er Menschen mit seinen Pilgerreisen ins Heilige Land und seinen Studienreisen zu besonderen Stätten der Geschichte und Kultur des Christentums an, die er gemeinsam mit seiner Frau Gislint plante und begleitete.

Für den Ev. Kirchenkreis Münster nahm er über viele Jahre die synodale Beauftragung für die Öffentlichkeitsarbeit wahr. In dieser Eigenschaft erstellte er die münstersche Beilage für die evangelische Wochenzeitung „Unsere Kirche“, entwickelte das Format der „Augenblickmal“- Radioandachten und stand – noch lange über seine Emeritierung hinaus – dem Vorstand der Veranstaltergemeinschaft von Radio Antenne Münster vor. In seiner Rolle als Kirchenjournalist stach Jürgen Hülsmann stets mit seiner lebensnahen Berichterstattung und seinen treffend formulierten Kommentaren hervor.

Ein Herzensanliegen war ihm die Versöhnung von Juden und Christen und sein Engagement gegen Radikalismus und Fremdenhass. Über viele Jahre hatte er den Vorsitz in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit inne. Für sein gesellschaftliches Engagement verlieh ihm die Stadt Münster die Paulus-Plakette.

Vielen Menschen bleibt Jürgen Hülsmann als brillanter Redner, vor allem aber als begnadeter Prediger in Erinnerung. Unzählige ehemalige Konfirmandinnen und Konfirmanden wissen sich bis heute mit „ihrem Pfarrer“ verbunden. Der Ev. Kirchenkreis Münster und die Ev. Andreas-Kirchengemeinde bleiben Pfarrer Jürgen Hülsmann für seinen Dienst in dankbarer Erinnerung verbunden.

Einen Beitrag in den Westfälischen Nachrichten zu seinem Wirken in MS-Coerde finden Sie hier.